Die Frage aller Fragen

Und hast du auch deine Ernährung umgestellt? 🍎🥦🥩🍔🥗🤔

Ein glücklicher Alex bei der Familie im Mostviertel.

Heute ist mir gratuliert worden. „Beeindruckend, was du geschafft hast – wie du mit der Krankheit umgegangen bist.“ Gemeint war der Hodenkrebs, vor allem die Knochenmetastase. „Hast du auch deine Ernährung umgestellt, damit es dir jetzt so gut geht?“ Um ehrlich zu sein: nein. Ja, ich hatte meine Ernährung kurz nach der Diagnose umgestellt, als Vorbereitung auf die Chemotherapie. Während der Therapie hat das aber nicht mehr funktioniert. Ich brauchte die Energie und hab sogar wieder vermehrt Fleisch gegessen.

Mittlerweile esse ich alles, worauf ich Lust habe. Ich hab meine Ernährung nicht umgestellt. Oder was ich umgestellt habe: Meine Einstellung zur Ernährung. Wenn ich keine konkreten Allergien oder Unverträglichkeiten habe oder es starke Indizien auf diese gibt, bringt es für mich nichts, bestimmte Ernährungskonzepte einzuhalten. Wenn das Einhalten von Diätempfehlungen das Leben mehr beschneidet, als es mir hilft, ist die Ernährung nicht passend. Mich hat es nämlich damals gestresst, mich an bestimmte Ernährungskonzepte zu halten. Und wir wissen alle, wie Stress auf den Körper wirken kann.

Was ich gemacht habe, um gesund zu werden? In erster Linie hatte ich extrem viel Glück. Hodenkrebs ist auch in fortgeschrittenen Stadien gut heilbar. Also hab ich mich der evidenzbasierten Standardtherapie unterzogen. In zweiter Linie hab ich dafür gesorgt, den Stress zu reduzieren, speziell den Disstress, also den negativen Stress. Yoga, Meditation, genügend Ruhezeiten, Schreiben und Lesen, Sport, Singen (im Chor und privat bei einer Gesangslehrerin), eine neue Arbeit, die sinnstiftend ist, daneben Krebsaktivismus und Moderation von Selbsthilfegruppen, und nicht zu vergessen: viel sozialer Austausch. 

Ich sag nicht, dass das einfach war oder ist. Als jemand, der mal eine generalisierte Angststörung diagnostiziert bekommen hat, gehört Disstress zur Lebensrealität dazu. Es dauert lange, diese Lebensrealität zu ändern, Angst und Stress nach und nach immer weiter aus dem Leben zu verdrängen – und wenn beides doch durch die Tür platzt, mit einem Lächeln und viel Gelassenheit darauf zu reagieren. Ist Ernährungsumstellung sinnlos? Keinesfalls. Für mich bringt Stressumstellung viel mehr.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen feinen Feierabend. Lasst es euch gut gehen und bleibt gesund! 🤗

Weltkrebstag 2022

Was ich am Weltkrebstag mache? 🤪

Ein word rap: radioaktive Zuckerlösung, in der Röhre sein, letzte Untersuchung, fünftes Jahr nach der Therapie, und ein Blutbefund als wär nie was gewesen. Was ich damit im Detail meine gibt’s in meinem Blogbeitrag auf InfluCancer zu lesen: „Der Weltkrebstag für einen Krebspatienten“.

Außerdem: Auf ZEIT ONLINE gibt’s im Ressort Arbeit etwas über mich zu lesen. Es geht um den Stellenwert von Arbeit während einer Krebserkrankung. Ich danke Redakteurin Jana Baurmann für den schönen Artikel, den sie aus unserem Gespräch kreiert hat: Leben mit Krebs – „Den Krebs zu verheimlichen hätte nicht funktioniert“ (Paywall)

Also, liebe Leute, heut ist Weltkrebstag. Was bedeutet das? Einerseits an all jene zu denken, die aktuell akut oder chronisch von Krebs betroffen sind. Könnt ihr für sie da sein? Lasst sie wissen, dass ihr an sie denkt. 

Und für euch persönlich bedeutet der Weltkrebstag: Kümmert euch um Krebsvorsorge. Macht die Früherkennung! 😷

Krebs ins Bewusstsein bringen

Es muss mehr geredet werden. Es muss geredet werden über Krebs. Talk about Cancer, wie wir bei Kurvenkratzer gern sagen. Das Tabu auflösen, die Krankheit entstigmatisieren, die damit verbundenen Probleme bewusst machen, an Vorsorge und Früherkennung erinnern, Betroffenen helfen.

Ein einfacher Weg, Krebs und die damit verbundenen Themen ins Gespräch zu bringen, sind die alljährlich stattfindenden „Gedenktage“. Eine Liste mit 75 dieser „Cancer Awareness Days“ habe ich für das Kurvenkratzer-Magazin zusammengestellt:

Bewusstseinsbildung für Krebs
Cancer Awareness Days oder Das Salz in der Suppe
Gedenktage für Krebs? Bewusstseinsmonate? Wer braucht denn sowas? Im englischsprachigen Raum wimmelt es nur so von „Cancer Awareness Days“ und -Monaten. Höchste Zeit, auch hierzulande mehr Krebsbewusstsein zu bilden.

Grafik: Kurvenkratzer

Was lenkt dich durchs Leben?

Und irgendwann stehst du selbst in der ersten Reihe. 

Vor zwei Tagen ist meine letzte Großmutter gestorben. Ganz exakt betrachtet war sie gar nicht meine Großmutter. Sie war die Mutter meines Stiefvaters. Ich bin aber nicht adoptiert. Das war ihr egal. Ich war trotzdem ihr Enkel. Und sie meine Oma.

Ob sie wirklich die absolut Letzte war, ist auch nicht sicher. Die Eltern meines leiblichen Vaters kenne ich nämlich nicht. Ich hab ihn erst 2017 kennengelernt. Auf jeden Fall war sie die letzte in der Familie, in der ich aufgewachsen bin.

Sind alle Großeltern weg, rückst du vor. Du stehst plötzlich in der zweiten Reihe. Und irgendwann stehst du in der Ersten.

Manchmal frage ich mich, warum ich mich so viel mit Sterben, Tod und Trauer befasse. Es tut nämlich weh. Wenn jemand aus meinem Umfeld stirbt, weiß ich es wieder. Das lässt den Schmerz leichter ertragen.

Die Beschäftigung mit dem Sterben lehrt mich leben. Und Freude daran zu haben. Und dankbar zu sein. 

Beschäftigt ihr euch auch mit dem Sterben? Wie und warum?

Fokusmonat Männergesundheit

Männer dieser Welt, lasst euch Blut abnehmen, lasst euren Stuhl untersuchen, lasst euch die Prostata abtasten und check your balls. Der November ist traditionell der Fokusmonat Männergesundheit, nicht zuletzt wegen der #Movember-Aktion. 👨

Und weil es mir darum geht, Männer zu Krebsvorsorge und Früherkennung zu motivieren und ganz grundlegend für ein gesundes Körperbewusstsein zu sensibilisieren, gibt’s in diesem November 2021 einiges zu tun:

💪 3.11. Weltmännertag
💪 10.11. Selbsthilfegruppe für Männer mit Krebs, Krebshilfe Wien, Details auf www.krebshilfe-wien.at oder www.alexandergreiner.com/maennergruppe 
💪 17.11. „Herrenzimmer“ 1. Online-Selbsthilfegruppe für Männer mit Krebs, Österreichische Krebshilfe, Details auf www.krebshilfe.net und @loosetie_krebshilfe
💪 19.11. Internationaler Männertag
💪 23.11. „Pink Ribbon meets Loose Tie“, Online-Breakfast Deloitte Österreich, Event für Mitarbeiter:innen
💪 24.11. Ich spreche mit Miriam M. Mottl in ihrem Podcast „Eros und Psyche“ über das Tabuthema Krebs, www.herzensdialoge.de/podcast und @eros_und_psyche
💪 25.11. spEAkers corner SPEZIAL „Männerkrebs“, Europ Assistance Deutschland, Online-Event für Mitarbeiter:innen

Ich wünsch euch alles Gute und bleibt gesund! 🙏🤗

📸 Kurvenkratzer/Lena Horvath

Fällt es dir leicht, deinen Wünschen zu folgen?

Mein bester Freund war lange auf Großbaustellen unterwegs. Wenn ich bei einer seiner inoffiziellen Baustellenführungen dabei war, sah ich sein Strahlen, wenn er von komplizierten Bauprozessen und dem Überwinden unvorhergesehener Hindernisse sprach. Er war in seinem Element. Auch mich begeisterte er damit, wie aus einer schlichten Zeichnung Bauwerke wie ein Hauptbahnhof entstehen. 

Dann wechselte er Firma und Rolle. Aus dem Projektmanagment zur Projektplanung – vor der Ausführung. Er hatte nur noch wenige Wochen, mal zwei, mal weniger, mit einem Projekt zu tun. Bagger sah er nicht mehr, frischen Beton roch er nie. Oft sprach er darüber, dass die Arbeit langweilig ist. Warum er trotzdem dabei blieb, weiß ich nicht, aber es gibt sicher viele nachvollziehbare Gründe. 

Diesen Sommer konnte er nicht mehr arbeiten. Es kam zwar nicht vom einen auf den anderen Tag, aber doch irgendwie abrupt. Besuch bei der Arbeitspsychologin. Krankschreibung. Er fragte sich, was er eigentlich hier tut und warum es ihm keinen Spaß macht und was ihm eigentlich Spaß macht. 

Diese Woche hat er seine neue Stelle angetreten. In der gleichen Firma, jetzt wieder im ausführenden Bereich, auf der Baustelle. Ich hab heute Vormittag davon erfahren und ich freu mich so unglaublich. 

Wie er seine Entscheidung exakt begründet hat, weiß ich nicht, und eigentlich ist es egal. Worauf es ankommt ist, dass wir uns fragen, wie wir die Zeit unseres Lebens verbringen wollen. Und da die Arbeitszeit nun mal ein Drittel der wachen Lebenszeit ausmacht, wär es gut, einer Tätigkeit nachzugehen, die dich mit Freude erfüllt. 

Um diese Schritte zu setzen, erfordert es Mut. Diesen Mut wünsche ich euch. Genau das ist selbstbestimmtes Leben. 🔥

4 Jahre krebsfrei 🎉

Heute vor vier Jahren hab ich es schwarz auf weiß bekommen: Ich bin krebsfrei. Alles wieder normal, im ganzen Körper keine Tumoren sichtbar, im Blut keine ausscherenden Biomarker, die auf irgendein Krebsgeschehen hindeuten. Wie geil. 🤩

Vor vier Jahren, ein paar Tage später, fragte ich meine Therapeutin, warum ich mich nicht freue, dass ich vom Krebs geheilt bin. Das sei ganz normal, sagte sie. Genauso, wie es am Anfang dauerte zu verdauen, Krebs zu haben, braucht es jetzt wieder Zeit, zu schnallen, dass der Krebs weg ist.

Im Sommer 2021 in Dänemark (Foto: Martina Hagspiel)

Ist das normal?

Tja, was soll ich sagen. Später kam sie dann, die Freude – wie von meiner Psychoonkologin prognostiziert. Weil wir Menschen eben (normalerweise) nichts von heute auf morgen behirnen. Und weil wir uns grundsätzlich an jede Situation anpassen können.

Das ist auch so eine geile Sache am Leben. Auf uns anpassungsfähige Wesen! 💪🙌

Das mit den vier Jahren bedeutet außerdem, dass ich noch ein Jahr vor mir habe, bis ich laut Krebsstatistik „offiziell“ geheilt bin. ☺️

Bis dahin: Bitte, schaut auf euch. Macht Vorsorge und geht zur Früherkennung!

Alles Liebe und schönen Herbst
Alexander

Krebs passiert. Akzeptieren wir das.

Vergangene Woche habe ich ein E-Mail bekommen, dass sich ein junger Hodenkrebs-Patient mit der Warum-Frage quält. Warum ich? Warum erkranke genau ich an Krebs?

Die Frage ist ganz normal und nachvollziehbar, aber sie bringt wenig, sie schränkt ein. In vielen Fällen ist es nämlich unerheblich, warum genau eine Krebserkrankung ausbricht. Ja, wenn du rauchst, steigt dein Krebsrisiko, aber nicht jede*r Kettenraucher*in bekommt Lungenkrebs und nicht jede*r Lungenkrebspatient*in hat geraucht. Es ist eine diffizile Kombination unterschiedlichster Faktoren, die in der richtigen – falschen! – Weise zusammenwirken müssen, damit sich ein Tumor bildet.

Außerdem lenkt die Warum-Frage ab. Sie lenkt den Fokus auf die Vergangenheit. Wichtiger ist aber die Zukunft. Wie gelingt es mir, die Krankheit zu akzeptieren? Wie will ich die Krankheit behandeln? Was will ich hinter mir lassen? Wie will ich ab sofort leben?

Versteht mich nicht falsch, ich plädiere nicht dafür, die Warum-Frage vollkommen zu ignorieren. Ja, eine zeitlich abgegrenzte Beschäftigung damit kann heilsam sein. Aber bitte nicht darauf fixieren oder darin hängen bleiben.

Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr nicht weiterkommt, dass ihr feststeckt, holt euch bitte Hilfe. Die Krebshilfe und auch andere Patient*innenorganisationen bieten psychoonkologische Akutbetreuung an. Die lege ich jede*r Krebspatient*in sehr ans Herz. ❤️

Psychische Gesundheit

Ich bin froh, dass wir alle so brav zur Psychotherapie gehen, wie wir regelmäßig unsere Zähne kontrollieren lassen. Oh. Moment mal. 😉 

Für eine kleine Chronologie meiner psychischen Gesundheitsentwicklung bitte auf dem InfluCancer-Blog weiterlesen …

(Und in Ermangelung der Kommentarfunktion auf dem anderen Blog gerne hier drunterkommentieren, wie ihr zu psychischer Gesundheit steht.)

Dieses Foto ist 2014 in Neuseeland entstanden. Wo genau, weiß ich leider nicht mehr. Aber schön wars dort. 😊

Guter Morgen

Ist es nur ein guter Morgen, wenn alles gut ist?

Was will das Leben von mir?, fragt ein Freund. Dieser Satz hat einen Fehler: die Perspektive. Richtig muss er heißen: Was will ich …

Weiterlesen im InfluCancer-Blog.