Mein Buch wird ein Jahr alt! Ich freu mich so!!! 😁 Deshalb will ich etwas zurückgeben und spende von allen Buchverkäufen im August mein Autorenhonorar an die Kinder-Krebs-Hilfe.

Das geht folgendermaßen:

  1. Kaufe im August (1.8. bis 30.8.2020) ein Exemplar von Als ich dem Tod in die Eier trat oder gleich mehrere zum Verschenken! 😉 
  2. Hebe die Rechnung oder den Kassenbon gut auf und sende mir ein Foto als Facebook-, Instagram– oder Twitter-Beitrag.
  3. Wenn du Social Media nicht nutzt, schicke mir das Foto einfach als E-Mail an buch (at) alexandergreiner (dot) com.
  4. Wichtig: Ort und Name der Buchhandlung, Kaufdatum, Buchtitel und Anzahl der gekauften Exemplare müssen auf dem Foto erkennbar sein.
  5. Sag es weiter! 😊 

Für jedes bei mir gemeldete Buch spende ich die entsprechenden Tantiemen an die Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe – und verdopple die Spende für alle Bücher, die am 21.8., dem Erscheinungsdatum gekauft werden.

Ich wünsche euch einen wundervollen restlichen Sommer und freue mich schon auf zahlreich zugesendete Kassenbons! 😉 

Liebe Grüße,
Alexander

PS: Bitte bleibt gesund und passt auf euch auf!

Zwei frisch gedruckte Bücher mit Hardcover oder ein überformatiger Bildband über die norwegische Schroffküste, eine Nächtigung im Doppelzimmer am Neusiedler See (die zweite Person nicht eingerechnet), eine Tasche voll Gemüse und Käse vom Bioladen ums Eck, ein fancy-schmancy (aber nicht zu exklusives) Abendessen oder zwei Business Lunches in der Innenstadt, sechs DVDs aktueller Filme oder neun Streams vom VOD-Club, oder eine Hodenentfernung, alles für jeweils 46,96 Euro erhältlich.

Die geht übrigens ähnlich schnell wie ein Einkauf dieser schönen Dinge. Also für mich jedenfalls. Damals, vor fünf Jahren. Genau heute ist es nämlich ein halbes Jahrzehnt her, dass mein rechter Hoden wegen einer „hypodensen Raumforderung“, also einem Tumor, Hodenkrebs, herausgeschnitten wurde. Sonntagabend größerer Hoden getastet, Montagfrüh zum Urologen, von dem die Zuweisung zum Ultraschall bekommen, von denen ins Spital geschickt und dort fast nicht mehr heimgelassen worden.

Skizziere dich in fünf Jahren

Monate zuvor fragte mein Psychotherapeut: „Herr Greiner, wo sehen Sie sich in ein, zwei, fünf Jahren?“ Ich skizzierte damals in mein Notizbuch Kritzeleien (meine Zeichenfähigkeiten sind nämlich nicht besonders gut ausgeprägt) von romantischen Dates, großen Feierlichkeiten, gemeinsamem Kinderwagenschieben. Gekommen ist alles anders. Ausstieg aus der Unternehmensberatung, durch die Welt reisen, Umschulung zum Barista, Sonnenbaden auf der Donauinsel, Jobwechsel in die Kaffeewelt, tödliche Krankheit, Krebsblogger, Buchautor.

Nicht, dass ihr glaubt, es gäbe einen direkten Zusammenhang, eine Wenn-dann-Kette. Weil ich nicht so und so, deshalb volle Kanne, Krebs. Nein. Einigen Zellen in meinem Hoden war es vielleicht in die Wiege gelegt, zu entarten. Und obwohl meine psychische Gesundheit im Sommer 2015 hervorragend war (okay, eine klitzekleine Krise hatte ich sehr wohl, aber ich hatte unzählige schwerwiegendere davor), bildete sich halt diese Wucherung in den Keimzellen. Gut auch irgendwie, dass ich damals keine Kinder gezeugt hab.

Der lange Weg ist der bessere

Aber in der Rückschau hätte ich vor fünf Jahren niemals zu fantasieren gewagt, wo ich heute stehe. So ist das nämlich mit der Zukunft. Da rettet dich kein Plan. Es zählt nur, dass du einen Schritt vor den anderen setzt. Und mit der Zeit überschreitest du Gebirge, die du vorher, auf der Ebene, oder in dem Tal, in dem du dich befandest, nicht gesehen hast, von denen du vorher gar nicht wusstest, dass es sie überhaupt gibt. Versteht mich nicht falsch, natürlich sind Pläne gut, Ziele, aber die sind genauso veränderlich wie alles im Leben.

Und mal salopp gesprochen: So eine Krankheit haut dir halt eine Watschen rein, he, steh auf, du kannst nicht ewig in deinem Sumpf bleiben, dort wirst du steckenbleiben und krepieren. Dort retten dich die Filme und Essen und Bücher und Urlaube auch nicht. Mach was draus. Egal was.

Return on invest unbezifferbar

Einmal Lebensverlängerung im Gegenwert einer Fahrkarte von Wien nach Graz mit Sitzplatzreservierung inklusive Straßenbahnkarte in der Murmetropole? Ja, bitte gerne. Hab im Grunde gute Erfahrungen damit gemacht.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf InfluCancer.com veröffentlicht.

In Neuseeland 2014 am Berg, mit Blick auf den Mount Cook
Eine dieser Rechnungen über 46,96 Euro aus dem Sommer 2015

„Darf ich mich hier aufwärmen?“, fragt das kleine Mädchen und setzt sich auf meine Decke. Komisch, denk ich mir, unüblich, sich einfach so zu einem Fremden zu setzen, aber sie ist halt noch nicht so, wie wir erwachsenen Menschen. „Ich heiße Elvira, ich bin vier“, sagt sie, und hält mir die ausgestreckten Finger entgegen.

Wir plaudern ein bisschen, ich verhalte mich freundlich, aber zurückhaltend. Ihr Vater und ihr Bruder montieren eine Hängematte zwischen den Bäumen. „Was liest du?“, fragt sie. Jochen Peichl, Innere Kritiker, Verfolger und Zerstörer, heißt das Buch. „Eine sehr komplizierte Geschichte“, antworte ich. Die Wellen der Donau spritzen auf meine Füße. „Darf ich sehen?“, fragt Elvira. Ich reiche ihr das Buch, sie liest mir eine fantasierte Geschichte daraus vor, blättert zu den wie von Kinderhand gezeichneten Illustrationen innerer Dämonen, kommentiert „der hat aber einen dicken Bauch“ und erzählt weiter. „Wenn der Mann das Buch wieder haben will“, sagt ihr Vater, „dann musst du es ihm geben.“ Sie legt es auf die Decke zwischen uns. „Da drinnen“, sagt sie und legt ihre kleine Hand auf die Brust, „schlägt mein Herz. Und wenn es aufhört, ist man tot.“ Ich überlege, ob ich träume, ob sie das jetzt wirklich gesagt hat. „Das Herz schlägt normalerweise sehr lang, ununterbrochen“, sage ich. „Nur bei manchen Menschen, da hört es ein bisschen früher auf.“ Ich schaue in den Himmel. „Die sind dann da oben“, sagt sie. „Ja, manche sind dann im Himmel“, sage ich. Wir plaudern weiter, aber meine Aufmerksamkeit ist beim Gespräch über den Tod. Sie legt sich ganz knapp an mich, hat keine Berührungsängste, das ist mir unangenehm.

Sie geht zu ihrem Vater, spielt mit dem Bruder, kommt später wieder, beugt ihren Kopf über meinen. „Ich kann mich sehen.“ „Die Spiegelung in meiner Sonnenbrille.“ „Wir gehen jetzt“, ruft ihr Vater. „Tschüss!“, sagt sie und winkt.

Unentwegt rollen die Wellen des Stroms den Kies hoch. Es ist ein ewiges Kommen und Gehen. Kennenlernen und Abschiednehmen. Aufwärmen, abkühlen, aufwärmen.

Wahre Begebenheit. Zuerst veröffentlicht am 8. Juni 2020 auf Instagram und Facebook.

Warum ist immer wieder aufstehen so wichtig, auch wenn wir noch so oft auf die Nase fallen? Mit dem Psychoonkologen Alf von Kries habe ich über Männlichkeit, Kontrollverlust, Fremdbestimmung und Scheitern gesprochen, sowie welche Bewältigungsstrategien sich auf dem Weg zur Selbstwirksamkeit anbieten – jetzt online im Kurvenkratzer-Call „Ein Fenster in die Psychoonkologie“ von InfluCancer auf Facebook und YouTube! 🙌

Heute vor einem Jahr habe ich den Buchvertrag zu „Als ich dem Tod in die Eier trat“ beim Verlag Kremayr & Scheriau unterschrieben, und um das zu feiern, verlose ich in den nächsten zwei Wochen jeweils ein Buch mit Widmung! (Nein, kein Aprilscherz.) 😉

Das Gewinnspiel läuft von heute bis 14.4. auf Facebook, Instagram und Twitter, und so kannst du gewinnen:

  1. Like einen der Gewinnspielbeiträge auf den oben genannten Plattformen.
  2. Kommentiere kurz, wie du in einer schwierigen Situation Mut geschöpft hast und/oder erstelle einen eigenen Beitrag dazu und verlinke mich (@fdq auf Twitter, @schreibgreiner auf Instagram) oder das Buch (Als ich dem Tod in die Eier trat auf Facebook / @AlsichdemTod auf Twitter) bzw. verwende den Hashtag #AlsichdemTodindieEiertrat.

Es gibt eine Zwischenauslosung. In der ersten Woche (1.4. bis 7.4.) gewinnst du selbst ein Buch und in der zweiten Woche (8.4. bis 14.4.) gewinnst du ein Buch für einen lieben Menschen, den du damit beschenken möchtest. 🥰

Die Gewinner werden am 8.4. und 15.4. bekannt gegeben (Social Media inkl. Verlinkung, damit ihr eine Benachrichtigung bekommt) und haben 24 Stunden Zeit, mir über eine private Direktnachricht ihre Adresse zu senden, die ich nur für diesen Zweck verwenden und danach sofort löschen werde. Für alle Gefinkelten: Ja, wenn ihr auf mehreren Plattformen einen Beitrag veröffentlicht, steigt eure Gewinnchance! Und wenn ihr zusätzlich auch noch meinen Newsletter abonniert, lege ich noch ein weiteres Los mit eurem Namen in den Topf.

Ich freue mich schon sehr auf eure Beiträge. Denn nicht nur in Zeiten wie diesen gilt: Zapfen wir alle unsere inneren Mutquellen an!

💪🙌🤙😎

Auf einem Gipfel, Niederösterreich 2019.

Jedes Mal, wenn ich das E-Mail vom Labor im Posteingang sehe, bleibe ich stehen und es sticht mir im Magen. Es fühlt sich an, als hörte das Herz auf zu schlagen, für genau jene Zeit, in der ich die Nachricht öffne, auf den Anhang klicke, den Code zum Anzeigen des Dokuments eingebe und dann über die Zeilen mit meinen Blutwerten husche. Wo ist ein Sternchen? Welcher Wert ist ein Ausreißer? Sind die Tumormarker innerhalb des Normbereichs? Für wenige Sekunden befinde ich mich zwischen der Zeit, am brüchigen Grat ganz oben am Berg, an der Grenze von Gesundsein und Kranksein. Genau dort, wo der Fall weit wäre, tief hinunter ginge ins Tal, ein Sturz, der leider nur selten überlebt wird. Glücklicherweise gibt es Hilfe, aber eben nicht für jeden Menschen. Deshalb ist die Angst allgegenwärtig. Werde ich wieder fallen? Wenn ich lese, dass alles in Ordnung ist, schlägt mein Herz weiter und ich löse mich aus der Erstarrung.

Dank als Ressource

Heute, am Weltkrebstag, bin ich dankbar, dass ich 2017 ein wunderbares Team von Ärzt_innen, Psychoonkolog_innen, Krankenpfleger_innen und Physiotherapeut_innen gefunden habe, und dass mich Familie und Freund_innen vorbehaltlos bei der Genesung von meiner Krebserkrankung unterstützt haben und es weiterhin tun. Das ist eine unschätzbare Ressource, und auch wenn meine Onkologin mir bei jeder Nachsorgebesprechung sagt, ich solle es endlich glauben, dass mein Krebs geheilt ist, hat sich dieses mulmige Gefühl dennoch festgefressen: Die Erinnerung an jenen Tag, als der Blutbefund voller fettgedruckter Zeilen war und mit Sternchen markierte Ausreißer mir wie Fäuste ins Gesicht schlugen.

Heute, fast zweieinhalb Jahre nach dem Rückfall der Erkrankung, ist diese Angst noch immer in meinen Eingeweiden. In den Momenten der Konfrontation, beim Besuch der psychotherapeutischen Gesprächsgruppe, bei der Blutabnahme alle drei Monate, beim Erhalt der E-Mail aus dem Labor, auf der Untersuchungsliege des Kernspintomografen, beim Besuch im Spital zur Nachsorge, beim Plaudern mit meinem früheren Pflegepersonal auf der Station, im Gespräch mit meiner Ärztin, stehe ich kurz vor der abermaligen Lähmung, in die mich der Schrecken damals versetzt hat.

Nie hätte ich mir gedacht, dass eine Angst derart tief sitzen kann und ich freue mich schon auf den Tag, an dem sie nicht mehr hochkommt, an dem sie für immer verschwunden ist, nie zurückkehrt. Zugleich weiß ich, dass dieser Tag niemals kommen wird, denn diese Angst ist der Zündfunke des Motors, der mich am Leben hält, meines Antriebs, warum ich gesund lebe. Sie ist der Grund, warum ich gut für meinen Körper sorge. Ihretwegen liebe ich das Leben und kümmere ich mich um das, was mir guttut. Alles andere rückt in den Hintergrund, genauso wie die Erstarrung des Rückfalls alles andere überschattet. Die Angst lehrt mich das richtige Leben.

Vom Vorher ins Nachher

Heute ist Weltkrebstag. Ich habe mich auf der Festplatte meines Computers durch Fotos von „früher“ geklickt und bin in eine Zeit vor der Krebserkrankung gereist, in ein gänzlich anderes Leben. Dort hatte ich laufend mit „Problemen“ zu tun, sowohl beruflich als auch privat. Sie beherrschten mein Leben. Problemlösen war mein täglich Brot. Ich regte mich oft maßlos auf, mokierte mich über, aus heutiger Sicht betrachtet, Belanglosigkeiten. Und was ich erst recht spät merkte: Das Problemdenken zehrte an meiner Kraft.

Heute, in meinem Leben „danach“, erscheinen die damaligen Widrigkeiten wie Steinchen im Schuh, die im Handumdrehen verschwinden, wenn ich den Schuh ausschüttele, wieder anziehe, und weitergehe. Wissend, dass ich die eingebrannte Angst nicht überkommen kann, ist es genau das, was sie immer wieder verfliegen lässt: nicht stehen zu bleiben.

Dieser Beitrag wurde zuerst auf dem Krebserfahrungsportal Kurvenkratzer InfluCancer.com veröffentlicht.

Ich dachte, mir würde nichts und niemand etwas anhaben können.
Ich verhielt mich, als hätte ich ewig Zeit für alles.
Ich lebte, als wäre ich unsterblich.

Als ich die Diagnose erhielt, dass ich zum zweiten Mal Krebs habe, dass die Erkrankung nur geschlummert hatte, stürzte das Kartenhaus, das mir zuvor noch ach so stabil erschien, lautlos ein.

Später, nach einer langen Phase des Schocks, begann ich damit, Karte für Karte vom Boden aufzuheben. Ich überlegte bei jeder einzelnen, ob ich sie noch brauchen konnte, für den Rest meines Lebens, oder bisher falsch auf sie gesetzt hatte. Und ich baute es wieder auf.

Heute sieht das Kartenhaus anders aus als früher. Es hat eine breitere Basis und ist nicht so hoch wie einst, aber um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung, ob es standhafter ist.

Das wissen wir nie, und diese Ungewissheit liebe ich am Leben.

In den vergangenen fünf Monaten, seitdem mein Buch erschienen ist, wurde ich oft gefragt, warum ich es geschrieben habe, und in erster Linie gebe ich zu, dass ich es für mich getan habe: um mit der Krebsdiagnose und der schlagartigen Veränderung meiner Lebensumstände fertig zu werden.

Die Initialzündung, es zu veröffentlichen, kam aber durch die Leser_innen meines Krebsblogs. Von unbekannten Menschen erhielt ich über das Internet Zusendungen, dass das, was ich schreibe, ihnen Mut mache. Und genau deswegen gibt es seit August das Buch.

Damit die Hoffnung zurückkehrt und ein Pflänzchen der Gelassenheit sprießt.

Einladung

Ich lade herzlich zu meinen Vorträgen mit Lesung am 5. März in St. Pölten und am 6. März in Gresten im Mostviertel ein.

Die Diagnose Hodenkrebs trifft Alexander Greiner unvermittelt und stellt sein Leben auf den Kopf. Doch es ist nicht allein die Genesung, die eine große Herausforderung ist. Nach und nach stellt er sein gesamtes Leben auf den Prüfstand. Beruf, Privatleben, Familie, Freundeskreis: Was zählt wirklich? Wer will ich sein? Was brauche ich für ein gelungenes Leben?

Alexander Greiner erzählt mit unerschütterlichem Optimismus und einnehmender Offenheit von Angst und Zuversicht, von Verdrängung und Akzeptanz, vom Loslassen alter Gewohnheiten und einem hoffnungsvollen Neubeginn.

Foto: Robert Faustmann

Nach den Vorträgen wird es Publikumsdiskussionen geben, mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen.

5. März 2020, 19:00 bis 20:30
Bildungshaus St. Hippolyt
Eybnerstraße 5
3100 St. Pölten
Eintritt: 10,00 Euro Kursbeitrag
Mitveranstalter: Forum NÖ Burschen- und Männerberater
Anmeldung: bis Montag 24.02.2020 beim Veranstalter
Im Rahmen der hiphaus-Veranstaltungsreihe „InnenWELT“.
Details auf Facebook

6. März 2020, 19:00 bis 20:30
Gasthaus Kummer „zum grünen Baum-Tiffany“
Badgasse 4
3264 Gresten
Eintritt: freiwillige Spende zugunsten der Kinderkrebshilfe.
Veranstaltet im Rahmen der „Gesunden Gemeinde“.
Details auf Facebook

Ich freue mich, wenn wir uns sehen! Bringt gerne interessierte Menschen mit und teilt die Einladung.

Liebe Grüße,
Alexander

PS: Am 27.2. könnt ihr mich in ORF Radio Niederösterreich hören, ab 11:00 in der Sendung „Promitime“. Und im März werde ich in der ORF-Sendung „kreuz und quer“ zu sehen sein. Stay tuned! 😊

Danke an Sarah Tesch vom RadioOP 98,8 Open Radio Oberpullendorf für die schönen Beiträge und das interessante Interview.

Von einem zeitgemäßen Männerbild sind wir noch meilenweit entfernt

Der Mann muss stark sein, Ernährer der Familie, Stammhalter. Er muss jemand sein, der bleibende Werte schafft, die über unzählige Generationen weitergereicht werden müssen. Anpacken muss er können, muss potent sein, muss seine Herrschernatur herausstreichen können, muss zeigen, dass ihm gottgegeben alles andere untertan ist. Der Mann muss ganz schön viel, aber muss er all diesen Erwartungen wirklich gerecht werden?

Der Mann von heute könnte beispielsweise den wichtigsten Muskel des Menschen, das Gehirn, einschalten und sich althergebrachten, kulturell und traditionell in die Gesellschaft eingebrannten Normbildern nicht mehr anbiedern. Es ist allseits bekannt, dass es darum geht, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Gestalten wir dieses doch bitte im wohlwollenden Einklang mit Mitmenschen, ohne Machtverhältnisse aufzubauen oder unhinterfragt auszunutzen.

Wäre es nicht sinnvoller, des Mannes Köpfchen für facettenreichere Betrachtungen zu verwenden, als darüber zu grübeln, welche Bohrmaschine als Nächste aus dem Baumarkt in der eigenen Werkstatt verstaubt, welche erdölmotorisierte Karosse als Nächste die Hauseinfahrt verstellt und welches Konkurrenzunternehmen als Nächstes ohne Rücksicht auf die Beschäftigten aus dem Markt verdrängt wird? Uns wurde vorgelebt, dass es in der Denke des Mannes ausschließlich darum geht, immer mehr zu haben und stets besser zu sein, als andere. In einer begrenzten Welt ist es aber nicht möglich, grenzenlos zu wachsen. Abgesehen davon sind wir nicht besser als andere, denn wir sind alle einfach nur Wesen der Spezies Mensch, und wir haben bereits das beste, das zum Überleben notwendig ist: einen Körper.

Was wirklich zählt

Ginge es nach mir, muss der Mann von heute vor allem eines tun: Er muss sich um seinen Körper kümmern, denn das ist der einzige Grund, warum er überhaupt lebt. 

Oh, es gibt noch eine zweite Sache, die er tun muss. Er muss sich bewusst sein, an jedem Tag und zu jeder Stunde, egal, in welchem Vorstandsmeeting er gerade spricht oder aus dem Fenster blickt und in Erinnerungen an den jüngsten Affärensex schwelgt, egal, auf welchem Gerüst der beliebigsten Gewerbebaustelle er herumklettert, dass allein mit der Tatsache, dass er einen Körper sein Eigen nennt, er diesen am Ende verlieren wird. Wie das Amen im Gebet. Das Leben ist tödlich, zumindest jenes in unserer aktuellen, materiellen Erscheinung. Alles andere ist nicht überliefert. 

Der Mann muss zart sein

Ich plädiere für ein zarteres Männerbild, eines, in dem er nicht immer stark sein sollte, in dem er nicht immer der Beste und Leistungsfähigste sein sollte, in dem er auch in sich gekehrte Momente zeigen darf, in dem die einzigen tolerierten Emotionen nicht nur Ärger, Wut und Zorn sind, in dem Gefühle der Angst und Sorge Platz haben dürfen. Ich wünsche mir ein weiches Männerbild, in dem jedes männliche Individuum sein persönliches Leben und Erleben frei von Schablonen reflektiert betrachten kann, ohne als gefühlsduselig oder „weiblich“ hingestellt zu werden. Das brächte uns, letztlich jedem einzelnen Mensch, eine facettenreichere Darstellung des Manns.

Wer glaubt, dass das von Schwäche zeugt, den muss ich enttäuschen. Beschäftigung mit den ureigenen Dämonen ist nachhaltiger als jedes Wegsperren, Verleugnen und Ignorieren. Und die eigene Persönlichkeit gewinnt dadurch an Tiefe.

Männer dieser Welt, löst euch von den Rollenbildern, die auf euch projiziert werden. Hinterfragt, welche Beziehungen und Emotionen Priorität haben und überlebensnotwendig sind. Auf welche Dinge könnt ihr verzichten, um ein leichteres Leben zu erlangen? Was wird letztlich zählen, wenn ihr im Totenbett liegt? Und bitte überlegt, wie ihr euren Körper gesund und fit halten wollt, denn es ist der Einzige, den ihr habt.

Einen inspirativen Internationalen Männertag, 🤓🙏👊
Alexander Greiner

Im Jahr 2015 zählte die Statistik Austria knapp 40.000 Neuerkrankungen an Krebs, wobei Männer mit 21.000 häufiger betroffen waren, als Frauen. Das liegt unter anderem daran, dass Männer seltener Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und Krankheit nicht zum gesellschaftlichen Bild passt. Die frühe Erkennung einer Krebserkrankung kann die Prognose wesentlich beeinflussen und für die Chance einer Heilung entscheidend sein.

Mit meiner Krebserkrankung habe ich am eigenen Leib erfahren, wie schmal der Grat zwischen Gesundsein und Kranksein ist. Weil ich davor gelebt habe, als wäre ich unsterblich, ist es mir heute am Weltmännertag ein besonderes Anliegen, an die Männergesundheit zu erinnern.

Etwa 39.000 Österreicher_innen erkranken jedes Jahr an Krebs und knapp über 330.000 Menschen lebten Ende 2014 mit einer Krebserkrankung. Die Überlebensrate ist seit 1994 von 48 auf 61 Prozent gestiegen, was einerseits wirksameren Behandlungsmethoden zu verdanken ist, andererseits aber auch an der früheren Erkennung bösartiger Krebserkrankungen liegt. (Quelle: Statistik Austria, über derStandard.at)

Ich wage zu behaupten, dass Frauen gewohnt sind, auf Veränderungen in ihrem Körper zu achten und sich regelmäßig die Brust abtasten. Genauso sind auch Männer gefragt, sich entsprechend um ihren Körper und um die persönliche Krebsvorsorge zu kümmern. Das heißt, dass sich jeder Mann ab dem 20. Lebensjahr ein Mal im Monat die Hoden abtasten und ab 45 die Prostatavorsorge ernst nehmen sollte.

Ich beim The Distinguished Gentleman’s Ride Vienna 2019 mit dem Gründer Alexander Kurys. Foto: Georg Aufreiter/motographer.at

Wäre meine Krebserkrankung anders verlaufen, wenn ich sie früher erkannt hätte? Das weiß niemand, aber möglich ist es. Deshalb engagiere ich mich bei der Initiative Loose Tie der Österreichischen Krebshilfe und Veranstaltungen wie dem kürzlich abgehaltenen The Distinguished Gentleman’s Ride.

Im November, dem Fokusmonat für Männergesundheit, könnt ihr mich übrigens am 20.11.2019 im Haus St. Stephan, im burgenländischen Oberpullendorf, und am 27.11.2019 in der Buchhandlung OrtnerBücher im achten Wiener Gemeindebezirk treffen. Jeweils um 19:00 erzähle ich, was mir dabei geholfen hat, mit meiner Krebserkrankung umzugehen, und anschließend ist noch Zeit, um euch bei einer kleinen Plauderei ein signiertes Buch abzuholen.

Also, Männer, bedenkt: Sprüche wie »Ein Indianer kennt keinen Schmerz« und »Sei kein Weichei, du bist ein Mann!« sind überholt, weil es kein Schwächeeingeständnis ist, als Mann über die eigene Gesundheit und die damit verbundenen Gefühle zu sprechen.

Achtet auf euch und bis bald!