Darf man mit Krebs glücklich sein?

Wenn jemand im Kontext Krebs von Glück spricht, ist oft gemeint, dass die Diagnose glimpflich empfunden werden kann, weil die Krankheit noch nicht weit fortgeschritten ist, gut behandelbar oder sogar heilbar ist. (Und ja, I know, die Frage in der Überschrift ist extra konfrontativ gestellt.)

Glück kann (und sollte, nach meiner persönlichen Meinung) bei Krebs aber auch noch eine andere Bedeutung haben. Die nämlich nach dem Glück im Leben trotz Krebs. Dann geht es nicht mehr um Diagnosen, Therapien, Nebenwirkungen, Folgen, Prognosen, und dergleichen, sondern um einen konstruktiven Plot-Twist.

Vier Perspektiven des Glücks

In den Interviews meines Archivs ist mir beim Zusammenstellen der aktuellen Folge des Männerkrebs-Podcasts aufgefallen, dass das Thema immer wieder auftaucht. Allerdings nicht als große Erzählung, sondern eher am Rand. In Nebensätzen. In Beschreibungen von Situationen, die an sich unspektakulär wirken. Aber mit der Brille eines Menschen mit Krebs gewinnen solche Momente eine tiefere Bedeutung.

Ein Mann spricht darüber, wie er beim Fotografieren Details wahrnimmt und sich darin verliert. Ein anderer beschreibt den Moment, wenn eine Reparatur gelingt, trotz starker körperlicher Einschränkungen. Wieder ein anderer sucht gezielt extreme Herausforderungen und findet darin eine Form von Intensität und Glückseligkeit (danke, Bernhard Hengl). Und dann gibt es die Perspektive, in der schon das bloße Dasein als etwas Außergewöhnliches und Bemerkenswertes beschrieben wird.

Was sich durchzieht, ist: Glück wird mit Krebs nicht mehr an äußeren Umständen festgemacht, sondern an konkreten persönlichen und emotionalen Erfahrungen. Es ist oft kurz, situativ und an etwas gebunden, das gerade funktioniert.

Mich hat dabei weniger überrascht, dass diese Momente existieren, sondern wie nüchtern sie beschrieben werden. Ohne Pathos. Ohne Anspruch, daraus eine allgemeine Botschaft abzuleiten.

Das Glück des Podcasts-Hosts

Vielleicht liegt darin auch eine Qualität dieser Gespräche, die ich für meinen Podcast führen darf. Sie zeigen keine patenthafte Lösung für alle, sondern verschiedene Möglichkeiten, wie einzelne Menschen mit einer veränderten Lebensrealität umgehen. Und wo sie dabei etwas finden, das sich gut anfühlt. Die aktuelle Folge versammelt einige dieser Perspektiven.

Ach ja, und das fühlt sich auch für mich gut an, diese Einblicke zu gewinnen und mit der Öffentlichkeit teilen zu dürfen.

E-Mail-Serie „Sicher durch schwierige Zeiten“

Let’s talk about money – Wie sich der Podcast finanziert

Ich spreche seit 6 Jahren öffentlich über Krebs und darüber, wie Männer mit einer Krebserkrankung umgehen. Oder oft eben nicht, sondern schweigen, funktionieren, weitermachen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie einsam das sein kann. Bei meiner ersten Diagnose habe ich kaum darüber gesprochen, bei der zweiten sehr viel mehr. Erst da habe ich gemerkt, wie erleichternd es ist, den Krebs nicht mehr zu verstecken, sondern offen darüber zu sprechen. Die Männer in meinen Gruppen berichten ähnliches und auch, dass ihnen ein wertschätzender Austausch im sozialen Umfeld oft fehlt.

Aus genau diesem Mangel heraus ist der Männerkrebs-Podcast entstanden. Er ist ein Versuch, einen Raum zu schaffen, den es offline oft nicht gibt. Einen Ort, an dem Männer über Angst, Sexualität, Nebenwirkungen, Alltagsbewältigung und Zweifel sprechen können, ohne Pathos, ohne Floskeln, ohne unverlangte Ratschläge, ohne Heilsversprechen. Mich interessiert dabei weniger die Heldengeschichte als das konkrete Erleben. Was wirklich hilft. Was nicht hilft. Und was man gerne früher gewusst hätte.

Dezember-Challenge

Bis 31.12.2025 suche ich 20 Menschen, die diese Arbeit gut und wichtig finden und eine Mitgliedschaft abschließen. Aktuell gibt es 17 Community-Mitglieder (bei rund 400–500 Downloads pro Monat). Das ergibt 166 Euro brutto Einnahmen. Nach Abzug von Umsatzsteuer und Transaktionskosten bleiben 125 Euro netto.

2 Podcastfolgen pro Monat bedeuten rund 40 Stunden Arbeit. Rechne ich Interviews, Recherchen, Redaktion, Kooperationen und Weiterentwicklung dazu, sind es eher über 55 Stunden. Daraus ergibt sich ein fiktiver Stundensatz von allerhöchstens 3 Euro.

Warum ist das so? Der Podcast behandelt ein tabubehaftetes Thema, bewegt sich bewusst in einer Nische und ist kein klassisches Unterhaltungsformat. Einnahmen über Werbung oder Sponsoring sind schwer zu erreichen. Deshalb bleiben Förderungen, Querfinanzierungen und Community-Mitgliedschaften.

Wie die Finanzierung funktioniert

Konkret heißt das:

Vergangene Woche habe ich habe diese Kalkulation in einer Sonderfolge offengelegt. Seither sind 4 neue Mitglieder dazugekommen. Das ist ermutigend, aber nur ein erster Schritt.

Jede neue Mitgliedschaft ist ein Beitrag dazu, dass unabhängiger Gesundheitsjournalismus mit männlicher Perspektive möglich bleibt und Männer mit Krebs sich weniger allein fühlen müssen.

Wenn dir diese Haltung wichtig ist, unterstütze die Arbeit am Podcast!

Und falls das gerade nicht möglich ist: Erzähle vom Podcast. Teile diesen Beitrag. Auch das hilft. ✨

Männergesundheit – Mut zur Verletzlichkeit

Heute zum Internationalen Männertag im DerStandard mein Vorwort „Mut zur Verletzlichkeit: Selbstfürsorge salonfähig machen“ in der Gesundheitsratgeber-Beilage „Männergesundheit“, ein Plädoyer für den in Gesundheitsfragen selbstbewusst kompetenten und eigenständigen Mann.

Danke Paul Pirkelbauer von Mediaplanet!