Was lenkt dich durchs Leben?

Und irgendwann stehst du selbst in der ersten Reihe. 

Vor zwei Tagen ist meine letzte Großmutter gestorben. Ganz exakt betrachtet war sie gar nicht meine Großmutter. Sie war die Mutter meines Stiefvaters. Ich bin aber nicht adoptiert. Das war ihr egal. Ich war trotzdem ihr Enkel. Und sie meine Oma.

Ob sie wirklich die absolut Letzte war, ist auch nicht sicher. Die Eltern meines leiblichen Vaters kenne ich nämlich nicht. Ich hab ihn erst 2017 kennengelernt. Auf jeden Fall war sie die letzte in der Familie, in der ich aufgewachsen bin.

Sind alle Großeltern weg, rückst du vor. Du stehst plötzlich in der zweiten Reihe. Und irgendwann stehst du in der Ersten.

Manchmal frage ich mich, warum ich mich so viel mit Sterben, Tod und Trauer befasse. Es tut nämlich weh. Wenn jemand aus meinem Umfeld stirbt, weiß ich es wieder. Das lässt den Schmerz leichter ertragen.

Die Beschäftigung mit dem Sterben lehrt mich leben. Und Freude daran zu haben. Und dankbar zu sein. 

Beschäftigt ihr euch auch mit dem Sterben? Wie und warum?

Danke für alles

Ich sehe dich nach der Schule. Der Tisch ist gedeckt. Ich sehe dich beim Schnitzelrausbacken. Ich sehe dich beim Reiskochen. Ich kannte es nur mit Erdäpfelsalat. Ich sehe dich mir die Zitrone schneiden. Darauf bestand ich.

Ich sehe dich, wie du uns den Fernseher aufschaltest und uns einen Kakao kochst. Ich sehe dich uns ins Bett schicken. Eine kurze Geschichte noch. Aber jetzt schlafen. Dein strenger Blick war immer beides: gespielt und auch ein bisschen ernst gemeint.

Ich sehe dich beim Marmeladeeinkochen. Ich sehe dich beim Rausbacken von Bauernkrapfen. Die mit der Ribiselmarmelade, in der Kuhle, in der Mitte. Manchmal schwimmen gebackene Mäuse im Fett. Das fand ich beim ersten Mal grauslich.

Ich sehe dich und Opa beim Schnipseln von Brot, Eiern und Geselchtem für das Weichfleisch. Obendrüber gerissener Kren. Ich sehe dich in der Kirche. Ich sehe dich mit der Gottesmutter Maria, auf dem Küchentisch. Das war dir wichtig. Und ist es sicher auch jetzt noch.

Ich sehe dich das Eichhörnchen füttern, das immer durch dein Küchenfenster hüpft. Du hast es Hansi getauft. Ich sehe dich uns einen Zehner zustecken, in Schilling, jedem. Ich sehe dich uns eine Jause für die Wanderung einstecken. Die mit Opa. Du kochst derweil.

Ich sehe dich auf so wenigen Fotos. Du hast dich im Hintergrund gehalten. Auf den wenigen Fotos sehe ich dich deine Urenkel im Arm halten. Dein Strahlen. Die Augenbrauen sind nicht mehr spitz – sie sind ganz rund. Es sind die wenigen Momente, in denen ich dir das Glücklichsein ansehe.

Ich sehe dich im Bett liegen. Ich erzähle dir. Du sprichst nicht mehr viel. Wir halten unsere Hände. Ich verabschiede mich. Du winkst mir zu und lächelst. Ich sage: Ich hab dich lieb. Ich hab dich auch lieb, sagst du. Damit haben wir erst in diesem Jahr begonnen.

Ich sehe dich es besser haben als zuletzt. Komm gut rüber. Danke, dass du für mich da warst. Danke für alles. 

Lacrimosa dies illa
Qua resurget ex favilla
Judicandus homo reus.
Huic ergo parce, Deus:
Pie Jesu Domine,
Dona eis requiem. Amen.

Chemo-Hilfe-Kurs: Was kommt in den Koffer für die Chemotherapie?

Im 3. Teil des Chemo-Hilfe-Kurses packe ich den Koffer für die Chemotherapie – je nachdem, ob es sich um eine ambulante oder eine stationäre Chemo handelt. Manches sollte sowieso in beiden Fällen immer mit dabei sein.

Chemo-Hilfe-Kurs Teil 3
Wir packen den Chemo-Koffer

Wer eine Reise tut, sollte die wichtigsten Dinge dabeihaben. Das gilt auch für die Chemotherapie. Was wir in den Chemo-Koffer packen, erzählen wir in diesem 3. Teil des Chemo-Hilfe-Kurses (mit Checkliste und Packliste).

Foto: Mat Napo/Unsplash

Fokusmonat Männergesundheit

Männer dieser Welt, lasst euch Blut abnehmen, lasst euren Stuhl untersuchen, lasst euch die Prostata abtasten und check your balls. Der November ist traditionell der Fokusmonat Männergesundheit, nicht zuletzt wegen der #Movember-Aktion. 👨

Und weil es mir darum geht, Männer zu Krebsvorsorge und Früherkennung zu motivieren und ganz grundlegend für ein gesundes Körperbewusstsein zu sensibilisieren, gibt’s in diesem November 2021 einiges zu tun:

💪 3.11. Weltmännertag
💪 10.11. Selbsthilfegruppe für Männer mit Krebs, Krebshilfe Wien, Details auf www.krebshilfe-wien.at oder www.alexandergreiner.com/maennergruppe 
💪 17.11. „Herrenzimmer“ 1. Online-Selbsthilfegruppe für Männer mit Krebs, Österreichische Krebshilfe, Details auf www.krebshilfe.net und @loosetie_krebshilfe
💪 19.11. Internationaler Männertag
💪 23.11. „Pink Ribbon meets Loose Tie“, Online-Breakfast Deloitte Österreich, Event für Mitarbeiter:innen
💪 24.11. Ich spreche mit Miriam M. Mottl in ihrem Podcast „Eros und Psyche“ über das Tabuthema Krebs, www.herzensdialoge.de/podcast und @eros_und_psyche
💪 25.11. spEAkers corner SPEZIAL „Männerkrebs“, Europ Assistance Deutschland, Online-Event für Mitarbeiter:innen

Ich wünsch euch alles Gute und bleibt gesund! 🙏🤗

📸 Kurvenkratzer/Lena Horvath

Chemo-Hilfe-Kurs: Bestens vorbereitet auf die Chemo-Nebenwirkungen

Foto: Sanndy Anghan/Pexels

Weiter geht’s mit dem Chemo-Hilfe-Kurs, den ich für das Kurvenkratzer-Magazin geschrieben hab. Teil 2 der Mini-Serie aus 4 Teilen ist online.

Chemo-Hilfe-Kurs Teil 2
Bestens vorbereitet auf die Chemo-Nebenwirkungen

Eine Chemo, die ist lustig, eine Chemo, die ist schön. Nein, ist sie nicht. Leid- und qualvoll? Muss nicht sein. Nebenwirkungen der Chemotherapie können mittlerweile gut „gemanaged“ werden. Wie, erfährst du in diesem 2. Teil des Chemo-Hilfe-Kurses (inkl. Checkliste).

Der Chemo-Hilfe-Kurs: Eine Ratgeber-Miniserie in 4 Teilen

Auf der Website des Kurvenkratzer-Magazins hab ich in den letzten Wochen echt wenige Texte veröffentlicht. Das lag einerseits am Sommerurlaub, aber auch daran, dass ich an einer Miniserie mit Checklisten für die Chemotherapie gearbeitet habe. Heute ging der erste Beitrag online! 🤸‍♂️

Chemo-Hilfe-Kurs Teil 1
Erste Hilfe für die Chemotherapie mit unseren Chemo-Checklisten

Foto: Klaus Nielsen/Pexels

Die weiteren drei Teile folgen nun Woche für Woche jeweils am Mittwoch. Jeder Artikel enthält mindestens einen PDF-Download, den Patient:innen dann ganz einfach für die Klinikbesuche ausgedruckt in die Tasche stecken können.

Was haltet ihr von der Idee und den Hilfestellungen, die dieser Artikel enthält? Schreibt es mir gerne in die Kommentare oder gerne auch ein Direktmail über mein Kontaktformular.

Die Miniserie „Chemo-Hilfe-Kurs“ ist übrigens Teil des Formats „Die Kurvenkratzer-Checklisten“, das praxisgerechte Erste Hilfe zur Bewältigung für den gesamten „Lebenszyklus“ einer Krebserkrankung bieten – von der Erstdiagnose bis zur Nachsorge (und auch darüber hinaus).

Fällt es dir leicht, deinen Wünschen zu folgen?

Mein bester Freund war lange auf Großbaustellen unterwegs. Wenn ich bei einer seiner inoffiziellen Baustellenführungen dabei war, sah ich sein Strahlen, wenn er von komplizierten Bauprozessen und dem Überwinden unvorhergesehener Hindernisse sprach. Er war in seinem Element. Auch mich begeisterte er damit, wie aus einer schlichten Zeichnung Bauwerke wie ein Hauptbahnhof entstehen. 

Dann wechselte er Firma und Rolle. Aus dem Projektmanagment zur Projektplanung – vor der Ausführung. Er hatte nur noch wenige Wochen, mal zwei, mal weniger, mit einem Projekt zu tun. Bagger sah er nicht mehr, frischen Beton roch er nie. Oft sprach er darüber, dass die Arbeit langweilig ist. Warum er trotzdem dabei blieb, weiß ich nicht, aber es gibt sicher viele nachvollziehbare Gründe. 

Diesen Sommer konnte er nicht mehr arbeiten. Es kam zwar nicht vom einen auf den anderen Tag, aber doch irgendwie abrupt. Besuch bei der Arbeitspsychologin. Krankschreibung. Er fragte sich, was er eigentlich hier tut und warum es ihm keinen Spaß macht und was ihm eigentlich Spaß macht. 

Diese Woche hat er seine neue Stelle angetreten. In der gleichen Firma, jetzt wieder im ausführenden Bereich, auf der Baustelle. Ich hab heute Vormittag davon erfahren und ich freu mich so unglaublich. 

Wie er seine Entscheidung exakt begründet hat, weiß ich nicht, und eigentlich ist es egal. Worauf es ankommt ist, dass wir uns fragen, wie wir die Zeit unseres Lebens verbringen wollen. Und da die Arbeitszeit nun mal ein Drittel der wachen Lebenszeit ausmacht, wär es gut, einer Tätigkeit nachzugehen, die dich mit Freude erfüllt. 

Um diese Schritte zu setzen, erfordert es Mut. Diesen Mut wünsche ich euch. Genau das ist selbstbestimmtes Leben. 🔥

Mit der Chemo-Kühlhaube dem Haarausfall vorbeugen

Glatze bei der Chemotherapie? Muss nicht sein. Brustkrebspatientin Dafinka macht es vor. Ich hab mit ihr über ihre Erfahrungen zur Chemo-Kühlhaube gesprochen. Was ihr geholfen hat, einen Großteil ihrer Haarpracht zu behalten:

Chemo-Kühlhaube
Wie ein Rugby-Helm Dafinka vor Haarausfall bewahrt hat

Foto: Brustkrebspatientin Dafinka, privat

4 Jahre krebsfrei 🎉

Heute vor vier Jahren hab ich es schwarz auf weiß bekommen: Ich bin krebsfrei. Alles wieder normal, im ganzen Körper keine Tumoren sichtbar, im Blut keine ausscherenden Biomarker, die auf irgendein Krebsgeschehen hindeuten. Wie geil. 🤩

Vor vier Jahren, ein paar Tage später, fragte ich meine Therapeutin, warum ich mich nicht freue, dass ich vom Krebs geheilt bin. Das sei ganz normal, sagte sie. Genauso, wie es am Anfang dauerte zu verdauen, Krebs zu haben, braucht es jetzt wieder Zeit, zu schnallen, dass der Krebs weg ist.

Im Sommer 2021 in Dänemark (Foto: Martina Hagspiel)

Ist das normal?

Tja, was soll ich sagen. Später kam sie dann, die Freude – wie von meiner Psychoonkologin prognostiziert. Weil wir Menschen eben (normalerweise) nichts von heute auf morgen behirnen. Und weil wir uns grundsätzlich an jede Situation anpassen können.

Das ist auch so eine geile Sache am Leben. Auf uns anpassungsfähige Wesen! 💪🙌

Das mit den vier Jahren bedeutet außerdem, dass ich noch ein Jahr vor mir habe, bis ich laut Krebsstatistik „offiziell“ geheilt bin. ☺️

Bis dahin: Bitte, schaut auf euch. Macht Vorsorge und geht zur Früherkennung!

Alles Liebe und schönen Herbst
Alexander

Wenn das Blut aus dem Ruder läuft

Foto: Cassi Josh/Unsplash

Medienkooperationen haben Gutes und Böses. Die einen sagen, die redaktionelle Unabhängigkeit sei damit untergraben, die anderen sehen es als unumschiffbaren Umsatzbringer, weil eben nicht die ganze Zeit gratis journalistisch gearbeitet werden kann.

Wie dem auch sei, ich hab meine erste „Content-Kooperation“ fürs Kurvenkratzer-Magazin geschrieben, um genau zu sein ein Sponsored Content. Das heißt der Text kommt vollständig von mir, die Auftraggeberin hat keinen Einfluss auf die inhaltliche Gestaltung, es handelt sich lediglich um einen redaktionellen Beitrag, der bezahlte Videoproduktionen bespricht. Da das Mediengesetz hier sehr genau ist, muss der Beitrag als „bezahlter Inhalt“ markiert werden. Here we go:

AML, ITP und MPN:
Wenn das Blut aus dem Ruder läuft

Was haben blaue Flecken, Nasenbluten und Müdigkeit mit ernsthaften Erkrankungen des Blutes zu tun? Anlässlich des Blutkrebs-Awareness-Monats werfen wir ein Licht auf AML, ITP und MPN.